Eine Welt ohne Smartphones, Tablets u. Internet ist heute undenkbar. Eigentlich eine großartige Chance: Wissen, Informationen, Bildung – alles nur einen Klick entfernt. Doch für viele Kinder bedeutet das Netz vor allem eins: Social Media. Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat & Co. dominieren die Freizeit – u. die Eltern machen es ihnen leicht. Während Mama u. Papa mit eigenen Handys beschäftigt sind, werden die Kinder auf Tablet oder Smartphone „geparkt“. Ruhe für die Erwachsenen, Abhängigkeit für die Kinder.

Ein Paradebeispiel: In einem Restaurant saß ein etwa neun Jahre alter Junge am Tisch, während seine Eltern in Gespräche vertieft waren. Das Kind bediente parallel Smartphone u. Tablet: auf einem Kanal Videos über Essen anschauen, auf dem anderen ein Autorennspiel steuern – das eigene Essen blieb unbeachtet.

Oder die drei Jahre alte Tochter von Freunden, erstmals im Urlaub mit Tablet konfrontiert. Nach kurzer Zeit entzog die Mutter das Gerät – die Reaktion: wütendes Geschrei, Heulen, unbändig, als wäre das Kind besessen. Kurz überlegte ich, ob ich einen Exorzisten via Internet bestellen soll – besser nicht! Die Eltern entschieden sich für den „kalten Entzug“ zuhause. Die ersten Tage waren geprägt von Tränen u. Schreien, erst nach 14 Tagen kam Ruhe. Die Kleine begriff, dass Schreien nichts brachte. Dann führte die Mutter eine strukturierte, limitierte Nutzung ein: 30 Minuten Paw Patrol pro Tag, ergänzt durch Vorlesen, Basteln u. klassische Spiele. Die Balance funktionierte – nur weil die Mutter bewusst Grenzen setzte.

Die Realität zeigt: Frühe Nutzung ohne Aufsicht fördert Suchtverhalten, Ablenkung u. psychische Risiken. Bildschirmzeiten über 1–4 Stunden täglich erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Kurzsichtigkeit, digitaler Sehstress, trockene Augen u. Kopfschmerzen sind häufig. Psychische Folgen können Angst, Depression oder Aufmerksamkeitsprobleme sein.

Technisch ist alles möglich: Kinder ab etwa acht Jahren erhalten Smartphones, surfen, installieren Apps u. legen Social-Media-Profile an. Offizielle Altersgrenzen liegen meist bei 13 Jahren, werden aber oft umgangen. In Europa nutzen Kinder durchschnittlich ab 10–11 Jahren Social Media – viele deutlich jünger.

Regulatorisch tut sich etwas – doch wer kontrolliert wirklich? Australien verbietet Social Media für Kinder unter 16 Jahren. Portugal, Spanien, Frankreich, Dänemark, Italien, Griechenland u. Slowenien planen oder diskutieren ähnliche Altersbeschränkungen. Auf dem Papier klingt das nach strenger Kontrolle – in der Realität ist es möglicherweise ein Papiertiger. Kinder haben die Smartphones u. Tablets nicht selbst gekauft, sondern von ihren Eltern bekommen – um Ruhe vor den eigenen Kindern zu haben. Ein Verbot, das die Eltern kontrollieren müssten, ist wie dem Fuchs den Schlüssel zum Hühnerstall zu geben: formal existiert es, praktisch verpufft es. Vielmehr sollte man Eltern klar machen, dass sie sich kurzfristig einen Gefallen tun, langfristig aber ihren Kindern erheblich schaden, wenn sie sie im Internet „parken“.

Die wirkliche Verantwortung liegt bei den Erwachsenen: Sie entscheiden über Zugang, Nutzungsdauer u. Grenzen. Solange Eltern nicht bewusst eingreifen, können Gesetze, Altersprüfungen oder Algorithmen die Kinder nicht vor digitaler Abhängigkeit schützen. Die Geräte sind da, die Apps funktionieren – der Schutz auf dem Papier hilft wenig, wenn im Alltag niemand hinschaut.

Schlagzeilen vom 19.02.2026 berichten von Klagen gegen Marc Zuckerberg wegen algorithmischer Mechanismen, die Kinder in Suchtmuster treiben sollen. Zuckerberg räumt zumindest Mängel bei Alterskontrollen ein. Meta betont, die Apps seien nicht absichtlich süchtig machend – doch Millionen Kinder u. Jugendliche wachsen damit auf. Drei Generationen europäischer Kinder u. Jugendlicher haben bereits Erfahrung mit Smartphones u. Social Media.

Verbote, Algorithmen, Klagen – alles Werkzeuge. Wirksamer Schutz entsteht nur durch bewusste elterliche Kontrolle, klare Regeln u. echtes Vorbildverhalten. Social Media für Kinder ist kein technisches Problem – es ist ein gesellschaftliches. Wer nicht aufpasst, liefert die nächste Generation als Glöckner 2.0 ab: gebückt, gebannt, geblendet von Bildschirmen, mit zerstreuten Blicken auf die reale Welt.

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