“Si mueres sin ver la Alhambra, no has vivido” – „Wenn Du stirbst, ohne die Alahmbra zu sehen, dann hast Du nicht gelebt“. So lautet ein altes Sprichwort. Jeder hat schon einmal etwas von dem herausragenden Denkmal des andalusischen Islam gehört.

Das Internet ist voll von Bildern und Informationen darüber. Doch was macht die Alhambra, die 1984 zum Weltkulturerbe erklärt wurde so besonders? Ist sie wirklich so traumhaft wie überall prophezeit wird?  Wir sind nach Granada gefahren, um uns selbst ein Bild (bzw. viele Bilder) davon zu machen…

Den Motor unseres geliehenen Kleinwagens starten wir in Algarrobo Costa am Samstagmorgen gegen acht Uhr.

Schon die ersten Sonnenstrahlen lassen vermuten, dass uns ein heißer Sommertag erwarten wird. Um das Meer und deren angenehmes Klima nochmal in vollen Zügen zu genießen, bevor wir schließlich das Inland Richtung Granada ansteuern, fahren wir zunächst an der Küste entlang, wo die Costa del Sol in die Costa Tropical übergeht. Der Strand von La Herradura,  einem Küstenstreifen zwischen Nerja (Provinz Málaga) und Motril (Provinz Granada) mit subtropischem Klima, liegt eingebettet zwischen zwei Bergen und ist daher hervorragend windgeschützt.

Foto: Bucht von La Herradura

Während wir am Strand frühstücken, beobachten wir die Tauchbegeisterten, die ihrem Hobby bereits in den Morgenstunden nachgehen. Aufgetankt für den Tag fahren wir weiter, um kurz vor Motril die Küste zu verlassen. Entlang der Alpujarras und der Sierra Nevada geht es auf der A-44 hinauf nach Granada.

Nach 120 Kilometern und einer angenehmen Fahrt gen Norden, erreichen wir schließlich, in 700 Metern über dem Meeresspiegel am Fuße der Sierra Nevada, die lebendige Universitätsstadt Granada, die zugleich Hüterin einer kostbaren Vergangenheit ist.

Voller Erwartungen die Königin unter den spanisch-maurischen Bauwerken jeden Augenblick auf einem der Hügel vor der Sierra Nevada zu erblicken, fahren wir kurvige Straßen bergaufwärts in Richtung Hotel.

Hinter welcher Kurve versteckt sich die Alhambra denn nun? Ist sie das? Nein, nur ein weiteres Bauwerk. Ach ja, und wo ist unser Hotel? So einfach war die Suche nach unserer Unterkunft und der Alhambra keineswegs, denn wie sich herausstellte, lässt sich das Hotel sowie auch die Alhambra nicht mit dem Auto erreichen. Nur Taxis haben die Erlaubnis die engen Straßen zu passieren. Nach einigen Fehlversuchen und verwirrenden Anweisungen seitens Navi, parken wir das Auto schließlich in einer Tiefgarage im Stadtteil Realejo und lassen uns von einem Taxi für günstige fünf Euro zu unserer Unterkunft bringen.

Foto: Unser Hotel (rechts) in Granada, das nur mit dem Taxi oder zu Fuß zu erreichen ist.

Mittlerweile ist es 13 Uhr und da wir unser Ticket für die Alhambra bereits im Internet gebucht und dadurch einen festen Zeitpunkt für den Nasrid Palast erteilt bekommen hatten, bleibt keine Zeit zum Ausruhen.

Zwei Möglichkeiten gibt es, das beeindruckende Meisterwerk zu erreichen. Bequem mit dem Bus 33, der einen durch die engen Gassen direkt bis nach Oben bringt oder aber die sportliche Variante, ca 15 Minuten a pie. Wir entscheiden uns ganz spontan für die faule Variante und nehmen den Bus.

Nach kurzem Anstehen am Eingang zur Alhambra, zeigen wir, dank neuester Technik, unser Onlineticket auf dem Handy vor,  das gegen ein „Handfestes“ eingetauscht wird. Jetzt kann es los gehen!

Die meist besuchte touristische Sehenswürdigkeit Spaniens ist in mehrere, ganz unterschiedliche Bereiche aufgeteilt. Am westlichen Ende liegen zunächst die Reste der Alcazaba, des Festungs- und Verwaltungsbereichs.

Das Herzstück der Alhambra sind die Palacios Nazaríes (Nasridenpaläste), für die man ein Ticket mit festem Zeitpunkt benötigt. Ungewöhnlich für spanische Verhältnisse, aber absolut erforderlich, ist hierbei die Pünktlichkeit.

Bei einer jährlichen Besucherzahl von zwei Millionen ist das aber durchaus verständlich. Wer nur ein paar Minuten zu spät kommt, dem wird womöglich die Türe vor der Nase zugemacht.

Foto: Patio de la Acequia(Hof des Wasserkanals) im Generalife

Wir starten unseren Rundgang in den blühenden Gärten um den Sommerpalast Genaralife im Rücken der Alhambra. Wunderschön angelegte Wasserbecken, eingerahmt von Blumenbeeten und Pavillions laden zum Entspannen ein. Da lässt sich leicht nachvollziehen, dass dies früher der Freizeitbereich der Könige von Granada gewesen ist, wo sie dem öffentlichen Trubel entfliehen konnten.

Dieser Bereich besteht aus tiefer gelegenen und erhöhten Gärten sowie dem Generalifepalast. Der Generalife war gleichzeitig als Garten und zum Gemüse- und Obstanbau in einer typisch muslimischen Anordnung geplant. Seine Lage, nördlich der Alhambra und gegenüber der Flussaue, ist ein weiteres Beispiel der Verschmelzung mit der natürlichen Umgebung, wie bei vielen Gebäuden des andalusischen Granadas. Daher entspricht der Palast, an den Abhang und in die Mitte des Landgutes gebaut, der Beschreibung einer Wohnstätte landwirtschaftlichen Charakters.

Foto: Im Mexuar Palast, Blick auf Granada

Vorbei an mächtigen und schmucklosen Mauern führt uns der Weg schließlich in den Schatz des Inneren der Alhambra.

Foto: Mexuar Palast

Um 17.30 Uhr ist es für uns nun soweit, wir dürfen den Eingang der Nasridenpaläste betreten. Man erhält schnell eine Ahnung kommender Pracht, die uns bereits im folgenden Mexuar, dem Audienz- und Gerichtssaal und dem Cuarto Dorado (Goldenes Zimmer) erwartet.

Foto: Patio de los Arrayanes

Daran schließt sich der erste Höhepunkt des Palastbesuchs an: der Patio de los Arrayanes (Myrtenhof) mit angrenzender Sala de los Embajadores (Botschaftersaal).

Unter der traumhaften Artesonadodecke aus Tausenden von Zedernholzplättchen stand vermutlich der Thron der Nasriden-Könige.

Foto: Kunstvoll ornamentierte Arkaden im Löwenhof

Völlig überwältigt von den unzähligen Verkleidungen, die so unglaublich detailliert angebracht wurden, betreten wir den Patio de los Leones (Löwenpalast). Auch hier zieren Verkleidungen aus Marmor, Alabaster und Mosaik die unzähligen Bögen im Innenraum. Dass die zwölf steinernen Löwen, die Hinterteil an Hinterteil um einen runden Marmorbecken in der Mitte der Halle stehen, das Lieblingsfotomotiv der Besucher ist, wird uns schnell klar. Nur mit Ausdauer und ein wenig Dreistigkeit bekommen wir ein Foto auf dem keine unbekannten Besucher in ungraziöser Stellung posieren. Verschiedenste Kulturen aus aller Welt kommen an diesem magischen Ort zusammen. Da kann es auch mal vorkommen, dass komplett verschleierte Frauen ihr trendiges I-pad zücken, um damit alles abzulichten.

Ohne die immensen Schönheit erstmal sacken zu lassen, steuern wir weiter in den Sala de los Abencerrajes, deren Kuppel wie ein Meer von Waben erscheint, bei dem weißer Honig herab tropft ,und im Fallen erstarrt ist.

Foto: Sala de los Abencerrajes

Alle Hauptpaläste stammen aus verschiedenen Zeiten. Während der Audienz- und Gerichtssaal (Mexuar Palast)sowie auch der beeindruckende Löwenpalast  von Ismail I und Muhammad V zwischen 1362 und 1391 errichtet wurden, entstand einige Jahre früher ( 1333- 1354), unter den Händen von Yusuf I und Muhammad V, der Comares Palast.

Noch völlig verzaubert von dem märchenhaften Ausflug, werden wir anschließend in dem ältesten Bauteile der Alhambra wieder wachgerüttelt. Der ehemalige Festungs- und Verwaltungsbereich, die Alcazaba, war einst das Militärgelände.

Die Verteidigungsanlage und die drei Türme, der zerbrochene Turm (Torre Quebrada), der Ehrenturm (Torre del Homenaje) und der Wachtturm bieten einen doppelten Ausblick.

Im Norden erscheint die maurische Altstadt Albayzin, während man am Horizont des Südens die schneebedeckten Berge der Sierra Nevada bestaunen darf. Wie auch die Alhambra war die Alcazaba für lange Zeit gänzlich verlassen und vernachlässigt. Doch im Gegensatz zur Alhambra begonnen ihre Restaurierung, Erforschung und Sanierung erst Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts.

Nach einem beeindruckenden, aber auch anstrengenden Tag in einer traumhaften Welt der Kunst und Architektur, verlassen wir nach zirka vier Stunden das Gelände der Alhambra.

Unzählige Momente haben wir mit unserer Spiegelreflex festgehalten, doch nur ansatzweise lässt sich die zauberhafte Atmosphäre der maurischen Kunst auf einem Foto darstellen.

Der Dichter Francisco Alarcón de Icaza bringt es auf den Punkt:  „Dale limosna, mujer, que no hay en la vida nada como la pena de ser ciego en Granada“

(„ Gib ihm ein Almosen, Frau, gibt es doch im Leben kein schlimmeres Unglück, als blind in Granada zu sein.“)

Im nächsten Monat geht es weiter mit dem 2ten Teil…..

Quelle: Text/ Fotos Katherina Kypke.