Der Name ist Programm: Der Corpse Reviver No. 2 gilt als flüssiger Defibrillator der klassischen Barkultur. Berühmt wurde er durch das Savoy Cocktail Book und seinen legendären Autor Harry Craddock, der 1930 trocken notierte, dass dieser Cocktail Tote wieder zum Leben erwecken könne – zumindest sinnbildlich.

Ein Equal-Parts-Cocktail in Reinform: Wacholder trifft auf feine Kräuter, Zitrusfrische auf elegante Bitterkeit, abgerundet von einem Hauch Absinth, der dem Drink seine mystische Aura verleiht. Kein Wunder, dass er aktuell eine kleine Renaissance erlebt – die Bar-Welt entdeckt wieder anspruchsvolle Pre-Prohibition-Drinks mit Haltung.

Die Originalfassung bleibt kühl, trocken und präzise. Jede Abweichung kippt das fein austarierte Gleichgewicht, genau das macht ihren Reiz aus. Während moderne Varianten gern süßer oder fruchtiger ausfallen, fordert der Corpse Reviver No. 2 wache Gaumen – nicht Naschkatzen.

Seine berühmte Warnung stammt direkt von Craddock:

„Vier davon in schneller Folge eingenommen, werden die Leiche wieder zum Leben erwecken.“ Ein augenzwinkernder Hinweis, der noch heute ein Lächeln aufs Bartender-Gesicht zaubert.

Rezept für ein Glas

Zutaten

22,5 ml Gin

22,5 ml Lillet Blanc (alternativ: Cocchi Americano)

22,5 ml Cointreau / Triple Sec

22,5 ml frisch gepresster Zitronensaft

1 Barlöffel Absinth (oder Pastis)

Zubereitung

Alle Zutaten mit viel Eis kräftig shaken. In eine gut gekühlte Coupette fein abseihen.

Optional klassisch: Das Glas zuvor mit Absinth ausspülen und den Überschuss verwerfen.

Alkoholgehalt im Glas (Schätzung): Je nach Gin-Stärke und Verdünnung durch das Shaken liegt er bei ca. 24–26 % vol. – für einen Aperitif erstaunlich kraftvoll.

Text: Cesar Certier – Spanien aktuell ©

Privacy Preference Center