Kaum hatte der Iran‑Konflikt am 28. Februar 2026 begonnen, stiegen die Spritpreise in Europa praktisch über Nacht. In Deutschland prüft das Bundeskartellamt, ob die Mineralölkonzerne ihre Preise fair gestaltet u. keine marktverzerrenden Absprachen getroffen haben. Auch in Spanien beobachten die Wettbewerbsbehörden die Preisentwicklung genau. Die Debatte zeigt: Die aktuell exorbitanten Preise sind nicht nur Folge globaler Rohölmarktbewegungen, sondern stehen zunehmend im Fokus von Recht u. Regulierung – u. verdeutlichen, dass Verbraucher nicht allein den Preis der Krise tragen sollten.

Ein Blick auf die tatsächliche Versorgung Europas lohnt sich: Seit 2012 befindet sich offiziell kein iranisches Öl mehr an europäischen Tankstellen. Die gesamte EU ist damit seit Jahren unabhängig von direkten iranischen Lieferungen. Dennoch wirken die Eskalationen im Persischen Golf auf unsere Preise, als würde Europa den gesamten Bedarf direkt aus der Region decken. Die EU bezieht nur rund 4 % ihres Ölbedarfs aus der Region um den Iran – hauptsächlich aus Saudi-Arabien, Irak, den VAE sowie Kuwait – Öl, das durch die Straße von Hormus transportiert werden muss. Und trotzdem steigen die Preise an der Zapfsäule, als ob wir 100 % davon beziehen würden. Mineralölgesellschaften zahlen zwar höhere Einkaufspreise, profitieren aber indirekt von den steigenden Endverbraucherpreisen, weil ihre Margen stabil bleiben oder leicht steigen – während die Verbraucher die volle Last tragen.

Die größten Lieferanten der EU sind die USA, Norwegen, Kasachstan und Afrika, nur ein kleiner Teil stammt aus dem Nahen Osten. Deutschland importiert rund 1,5 Millionen Barrel pro Tag – etwa 270 Millionen Liter – hauptsächlich aus Norwegen, den USA u. Libyen. Spanien bezieht rund 1,3 Millionen Barrel pro Tag, vor allem aus Norwegen, den USA u. Algerien. Die direkte Abhängigkeit vom Persischen Golf ist damit minimal.

Dennoch zahlen wir den vollen Preis der globalen Risikoprämien. Europa trägt die Kosten einer Ölkriegs-Prämie – für ein Risiko, das tatsächlich vor allem Asien direkt betrifft. Ein globaler Konflikt wirkt so indirekt wie eine Goldgrube für große internationale Konzerne – Shell, BP, Total, ExxonMobil oder Chevron. Die Preissteigerungen spiegeln nicht die reale Versorgung Europas wider, sondern die Unsicherheit auf den Märkten. Die EU u. ihre Mitgliedstaaten stehen unter massivem Druck, die hohen Preise für Benzin u. Diesel abzufedern. Energie- sowie Verkehrsminister beraten derzeit über Maßnahmen: Preisobergrenzen u. Tax Cuts, temporäre Steuersenkungen ,Tankgutscheine sowie stärkere Marktaufsicht, bei der Mineralölkonzerne ihre Preiserhöhungen künftig begründen müssten. Langfristig stehen der Ausbau der Energie-Diversifizierung u. erneuerbarer Energien auf der Agenda, um die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern u. künftige Preisschocks abzufedern. Viele Maßnahmen wirken politisch populär, sind aber nur begrenzt wirksam: Sie dämpfen die Last für Verbraucher nicht wirklich, ändern aber nichts an den globalen Preisschwankungen. Wirkliche Preissenkungen an der Quelle sind daher kaum zu erwarten.

Wenn wir an der Zapfsäule 2 € pro Liter Benzin bezahlen, fragt man sich schnell: Wie viel davon landet bei den Mineralölgesellschaften, wie viel beim Staat? In Deutschland entfallen rund 55–60 % des Literpreises auf Steuern, Energiesteuer, CO₂-Abgaben sowie Mehrwertsteuer, während die Gewinne der Mineralölkonzerne nur wenige Cent pro Liter betragen. In Spanien liegen die Steueranteile mit 48–52 % etwas niedriger, was Kraftstoff hierzulande tendenziell günstiger macht. Der Rest des Preises verteilt sich auf Rohöl, Raffinerie, Transport u. Tankstellenmargen. Auch wenn Schlagzeilen suggerieren, Mineralölkonzerne würden die Preise diktieren – die Realität zeigt: Staaten kassieren den größten Anteil. Man könnte sagen: Der Wolf hat sich den Schafspelz übergezogen. Während wir an der Zapfsäule die volle Last tragen, klingeln gleichzeitig die Staatskassen: Einnahmen aus Energiesteuer, CO₂-Abgaben und Mehrwertsteuer steigen automatisch mit jedem Liter. Die Politik kann sich scheinheilig als Retter aufspielen, sich über die hohen Preise freuen – u. bleibt dabei fast unbehelligt, während der eigentliche Ärger bei den Tankstellen u. den Ölkonzernen landet.

Die physische Versorgung Europas ist aktuell gesichert. Der Preisanstieg an der Zapfsäule spiegelt weniger ein konkretes Lieferproblem als Spekulationen, Risikoaufschläge, geopolitische Unsicherheiten und steigende Steuern wider. Kurz gesagt: Wir werden abgezockt – wer zieht den größeren Nutzen, die Regierungen oder die Ölgesellschaften? Wir zahlen für eine Krise, die wir nicht verursacht haben, die uns aber voll trifft, weil wir tanken müssen.

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