Havarierte Supertanker, die auf den Weltmeeren Öl befördern, waren schon immer ein hohes Risiko, wie das jüngste Öl-Desaster vor Mauritius, das durch den Frachter „Wakashio”  , der unter japanischer Flagge fuhr, schmerzlich zeigt.

Das Schiff lieft am 25.07.2020 auf Grund, doch erst am 09.08.2020, als es dann zu einem Riss in einem der Tanks des Schiffes gekommen ist und Öl austrat, rief der Inselstaat im Indischen Ozean einen Umwelt-Notstand aus.

Warum hat die Regierung  in der Hauptstadt Port Louis  solange gewartet, bis etwas unternommen wurde?! Hier eine Erklärung für diesen Umstand von „Sunil Dowarkasing“, Umweltberater auf Mauritius und ehemaliger Greenpeace-Aktivist: Die Regierung hat auf Anraten der Firma und deren Experten gehandelt, ohne an die Interessen der Bevölkerung von Mauritius zu denken oder daran, was getan werden sollte, um das Land und die Lagunen vor dieser Gefahr zu schützen.

Und das sagt  „Atsushi Hara“, Konzernsprecher des havarierten Tankers von Nagashiki Shipping dazu: Es sei zunächst höchste Priorität gewesen, das auf Grund gelaufene Schiff wieder flott zu kriegen. Dies sei jedoch wegen widrigen Wetters nicht möglich gewesen.

Ob es die richtige Entscheidung war, auf das zu hören, was der Schiffseigner sagt, erscheint mir mehr als fraglich; das Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist ja bekannt!

Tankerunfälle im Meer belasten das Ökosystem noch Jahre danach. Wenn durch ein Tankerunglück Öl ins Meer gelangt, rückt die betroffene Region für kurze Zeit ins mediale Interesse. Doch Menschen, Tiere und Pflanzen leiden auch dann noch, wenn die TV-Kameras wieder abgerückt sind. Denn die Folgen von Tankerunfällen auf dem Meer sind nicht beseitigt, wenn der ölverschmierte Schlamm von den Stränden abgetragen ist. „Der Küstenraum  ist empfindlicher als das offene Meer”

Eine Ölkatastrophe bedeutet für die Menschen, die an der Küste und vom Meer leben auch immer eine ökonomische Katastrophe. Nicht nur, dass Millionen Tiere in direkter Folge eines solchen Unfalls verenden – die Fischerei muss nach einem solchen Unfall monatelang eingestellt werden. Fische, Muscheln etc. sind  mit Ölrückständen kontaminiert. Schließlich leidet der Tourismus. Wer fährt schon gerne an eine Küste, die er zuvor im Fernsehen mit schwarzem Ölschlamm bedeckt gesehen hat?

Es gibt aber noch eine schlimmere Gefahr und die schlummert tief unten in den Weltmeeren.

Die Rede ist von ca. 8.500 Schiffswracks, die bereits vor Jahrzehnten gesunken sind und in den Weltmeeren auf Grund liegen. 6.338 der Wracks sind während des Zweiten Weltkriegs gesunken. Vor rund 100 Jahren sind die ersten mit Verbrennungsmotoren betriebenen Schiffe in See gestochen.

Drei Viertel aller seit 100 Jahren gesunkenen Schiffe sind also während den sechs Jahren Krieg untergegangen. Das Problem: Die Schiffe enthalten auch Öl und andere fossile Brennstoffe, die in den Tanks lagern. Seit rund 80 Jahren rosten die Wracks vor sich hin und erreichen nun einen kritischen Punkt, an dem sie beginnen, durchzurosten.

Neben Ölkatastrophen, wie aktuell vor Mauritius mit Schiffen, die noch immer in Betrieb sind, dürfte es in den kommenden Jahren wahrscheinlich vermehrt zu Ölkatastrophen kommen von Wracks, die seit Jahrzehnten auf dem Meeresgrund liegen.

Wissenschaftler vermuten, dass in den auf dem Globus verteilten Wracks bis zu 15 Millionen Tonnen Öl liegen könnten. Vor Mauritius sind in den vergangenen Tagen 1.000 Tonnen ausgelaufen und selbst bei der größten Ölkatastrophe Exxon Valdez im Frühling 1989, liefen „nur“ 37.000 Tonnen Öl aus.

Die Küste Alaskas ist  30 Jahre später noch immer verseucht und das Ökosystem gestört.  Die Wracks sind eine tickende Zeitbombe. Um die Bergung kümmern sich Regierungen aus Kostengründen derzeit nicht. Sie hoffen lediglich, dass niemand von diesen Wracks großartig Notiz nimmt. Wenn das Öl dieser Wracks freigesetzt wird und den Meeren und letztendlich uns allen den Rest gibt, können die Regierungen und deren Anführer wieder unschuldig dreinschauen, so  tun als seien sie völlig überrascht  und sich dann gegenseitig die Schuld zuweisen. Bis es soweit ist, dass unsere Meere schwarz statt blau sind, wird nach dem Motto gehandelt „Lass laufen Kumpel“ denn „Reden ist Silber und Schweigen ist Gold“.