Doch nicht nur das herausragende Denkmal des andalusischen Islam, sondern auch die charmante Altstadt Granadas, der Albayzin,  zählen zu den Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Nach einem gemütlichen Abend in einer der vielen Restaurants auf der Calle de Elvira, wo wir uns von der lebendigen Stimmung der Spanier haben mitreisen lassen, steuern wir den nächsten Tag in Richtung Altstadt an.

Foto: Blumenverzierte Häuser im Albayzin

Entlang der Carrera del Darro, der Straße, die parallel zum Flußlauf des Río Darro verläuft über hübsche verwinkelte Gassen bis zum Aussichtspunkt Plaza de San Nicolás. Sparen Sie sich eine Übersichtskarte der Altstadt, die würde Sie doch nur verwirren.

Foto: Carrera del Darro entlang des Rìo Darro

Auf den ersten Blick erscheint alles wie ein Labyrinth aus vielen kleinen Straßen, deren Namen zum Teil noch nicht einmal auf der Karte eingetragen sind. Lassen Sie sich auf die Stadt ein und marschieren Sie los.

Gerade diese Ungewissheit, was hinter der nächsten Ecke für eine malerische Gasse lauert, macht den Spaziergang zwischen weiß gekalkten Häusern so aufregend und faszinierend zugleich.

Im Albayzin siedelten seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Iberer, Römer und Westgoten. Doch erst      ab dem 11. Jahrhundert, unter arabischer Herrschaft, erlangte der Ort Bedeutung.

Das Viertel hat bis heute sein maurisches Gepräge behalten, auch wenn kein Gebäude aus jener Zeit mehr steht, abgesehen von den Resten der Stadtmauer und ihrer Tore.

An vielen Eingangspforten der mit Blumen beschmückten Häuser findet man handbemalte hübsche Kacheln, die Straße und Hausnummer nennen und ein „Carmen“ davor setzen.

Skeptisch fragen wir uns, ob die Hälfte des Albyzins mit Frauen namens Carmen bewohnt wird. Doch ein Einheimischer klärt uns auf: Mit der Vertreibung der Morisken (der zwangsgetauften Araber) Ende des 16. Jahrhunderts verfielen viele Häuser; an deren Stelle baute man größere Anwesen mit mauerumstandenen Gärten, Carmen genannt, für die der Albayzin heute bekannt ist.

Carmen leitet sich von dem arabischen karm ab und das bedeutet Landhaus. Um eine interessante Erkenntnis und unzählige Fotos reicher, kommen wir schließlich am Mirador de San Nicolás an. Von hier aus bietet sich ein unübertroffener Blick auf die Alhambra.

Foto: Blick auf die Alhambra, auf dem Weg zum Mirador de St. Nicolás

Das herausragende Denkmal in ihrer vollen Pracht, mit ihrem Schmuck aus Zypressen, der sie so heiter und mediterran wirken lässt, und dahinter, die mächtige Kulisse der schneegekrönten Gipfel der Sierra Nevada- einfach malerisch!

Auf dem rechteckigen Vorplatz herrscht ein buntes Treiben aus begeisterten Touristen, die sich auf ein perfektes Foto mit der Alhambra im Hintergrund versteift haben sowie Einheimische, die ihre Gitarren gekonnt zur Show stellen, Schmuck und Kunst verkaufen oder ausgelassen auch mal ihr Tanzbein schwingen.

Foto: Straßenmusikanten auf dem Mirador de S. Nicolás

Lebensfreude pur lässt sich hier aufsaugen…bis jedoch die Polizei  plötzlich auftaucht! Noch bevor wir sie erblicken, packen die Verkäufer in Lichtgeschwindigkeit all ihre Sachen zusammen, um wie unschuldige Besucher auszusehen.

Eine Situation, die scheinbar nicht zum ersten Mal stattfindet,  denn jeder Handgriff sitzt!  Auf ihren Motorrädern zieht die Polizei ihre Kreise, um nach illegalen Schmuckverkäufern Ausschau zu halten. Völlig unerwartet beobachten wir, wie sich die Stimmung schlagartig verändert. Das zuvor noch lebendige Treiben verwandelt sich in angespanntes Verharren. Dieses beeindruckende Spektakel dauert nicht länger als zehn Minuten und verspricht anschließend wieder eine mindestens genauso ausgelassene Stimmung wie zuvor.

Mittlerweile haben wir die stärkste Mittagshitze Granadas überstanden, was trotz ausreichendem Sonnenschutz zu Müdigkeit und Trägheit führt. An dieser Stelle muss erwähnt werden, dass die angenehmste Reisezeit für lange Tage in Granada definitiv die Jahreszeiten Frühling und Herbst sind.

Foto: Straßenmusikanten auf dem Mirador de S. Nicolás

Im Hochsommer (Juli/August) muss man am Tag mit drückender Hitze rechnen, dafür sind die Nächte angenehm lau. Zu unserem Glück geht es zurück zum Plaza Nueva durchgehend bergabwärts, wieder vorbei an malerischen Kulissen durch die maurische Altstadt.

Am frühen Nachmittag starten wir schließlich noch einmal den Motor unseres geliehenen Kleinwagens, um die Heimreise anzutreten.

Wieder das Meer in Sichtweite und in der Provinz Málaga angekommen, lassen wir uns von der Schönheit des ehemalige Fischerdörfchens Nerja an der östlichen Costa del Sol überzeugen, noch einen Zwischenstopp einzulegen.

Auf einem Felsvorsprung hoch über dem Meer befindet sich der Balcón de Europa, von dem man einen wunderschönen Blick auf die romantischen kleinen Buchten ergattern kann. Einheimische und Besucher erholen sich auf dem begrünten Platz nach Sonnenuntergang von der brennenden Mittagshitze. Begeisterte Breakdancer feilen an ihrem Talent, während sich einheimische Männer entspannt über ihre Erlebnisse des Tages austauschen…

Schon nach diesem kleinen Wochenendausflug in das Inland sind wir überzeugt, dass der Süden Spaniens noch viel mehr zu bieten hat als endlose Strände.

Andalusien ist geprägt von einer beeindruckenden Vergangenheit, eingebettet in eine Natur voller Gegensätze.

 

Dabei ist die Alhambra eines der besten Beispiele dafür, dass die längst vergangenen Zeit wunderbare Schätze für uns hinterlassen hat….und ja, das herausragende Denkmal des andalusischen Islam ist tatsächlich so traumhaft, wie überall prophezeit wird!

Quelle: Text/ Fotos Katherina Kypke