
Ach wie schön ist es doch, wenn in Andalusien wieder alles normal scheint. Der Rasen wird gesprengt, alles blüht, Schwimmbäder sind geöffnet, Duschen laufen unbegrenzt, u. auch die Wasserversorgung wirkt so selbstverständlich, als hätte es die letzten Jahre nie gegeben.
Die Jahre 2022 bis 2024 waren in Andalusien von einer ausgeprägten Dürre geprägt. 2023 gehörte zu den trockensten Jahren seit Jahrzehnten, mit regional rund 60 bis 80 Prozent weniger Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt. An der Costa del Sol fiel über Monate hinweg kaum messbarer Regen. 2024 brachte keine nachhaltige Entspannung, sondern setzte die Trockenphase fort – unterbrochen nur von punktuellen, teils extremen Regenereignissen ohne strukturellen Effekt auf die Wasserreserven. Im Laufe des Jahres 2025 setzte eine deutliche Erholung ein. Anfang 2026 stabilisierte sich die Lage weiter. Viele Speicher liegen heute wieder bei rund 75 bis 95 Prozent Füllstand. Die zuvor geltenden Wasserrestriktionen sind aufgehoben.
So entsteht kein Anpassungsprozess, sondern ein Kreislauf aus Krise, Entlastung u. Rückkehr zum Ausgangsverbrauch. Die Costa del Sol – eine der trockensten u. zugleich am stärksten genutzten Küstenregionen Spaniens – reagiert dabei besonders sensibel auf Schwankungen: lange Trockenphasen wechseln sich mit kurzen, intensiven Regenepisoden ab, die zwar kurzfristig entlasten, aber keine strukturelle Stabilität schaffen. 2023 zeigte sich das deutlich: hohe Belastung durch Bevölkerung, Tourismus u. Landwirtschaft traf auf eine nahezu durchgehende Trockenphase – u. brachte die Reserven schnell an ihre Grenzen. Wie so oft verschwindet mit den Niederschlägen auch die Krise aus dem öffentlichen Bewusstsein – obwohl sich an den Rahmenbedingungen nichts geändert hat. Denn das eigentliche Problem liegt in der Struktur: Rund 70 bis 80 Prozent des Wasserverbrauchs in Andalusien entfallen auf die Landwirtschaft. In der Region Málaga, insbesondere in der Axarquía, dominiert ein Exportmodell aus Avocados u. Mangos für den europäischen Markt. Im Jahr 2025 lag die Produktion beider Kulturen zusammen bei mehreren Zehntausend Tonnen. Daraus ergibt sich ein Wasserverbrauch in der Größenordnung von hunderten Millionen bis über einer Milliarde Litern pro Jahr. Der Bedarf liegt je nach Kultur bei mehreren hundert bis über tausend Litern pro Kilogramm. Diese Zahlen zeigen: Es geht nicht um Nebenverbräuche, sondern um einen zentralen Faktor im regionalen Wassersystem. In dieser Größenordnung entspricht der Verbrauch einer jährlichen Füllmenge regionaler Stauseen. Während der Dürrejahre wurden Bewässerungen zwar eingeschränkt u. Erträge reduziert, das System blieb jedoch bestehen. Kaum kehrt der Regen zurück, läuft der Produktionszyklus wieder auf Normalniveau.
Ein weiterer Faktor ist der Immobilienboom entlang der Costa del Sol. Zwischen Málaga, Marbella, Estepona u. Mijas sind in den vergangenen Jahren tausende neue Wohnungen entstanden oder im Bau. Viele werden nur saisonal genutzt, bleiben aber dauerhaft an die Wasserinfrastruktur angeschlossen. In der Hauptsaison vervielfacht sich der Verbrauch durch Pools, Gärten u. touristische Vollauslastung. Gleichzeitig wächst der Anteil dauerhafter Bewohner – u. damit der Grundverbrauch. So entsteht zusätzlicher Druck auf ein Versorgungssystem, das ursprünglich nicht für diese Dimension ausgelegt war. Parallel dazu wird seit Jahren über Lösungen gesprochen, doch zwischen Planung u. Umsetzung bleibt eine Lücke. Für die Axarquía ist eine große Entsalzungsanlage zwar in Planung u. als Vorprojekt konkretisiert, gebaut ist sie jedoch nicht. Vorgesehen sind rund 25 hm³ pro Jahr, mit möglicher Erweiterung auf 50 hm³. Selbst bei optimalem Verlauf würde der Bau rund 30 Monate dauern – ein Start ist bislang nicht erfolgt. An der Westküste wurden zwar Erweiterungen bestehender Anlagen umgesetzt, doch sie bleiben punktuelle Entlastungen ohne strukturelle Neuausrichtung. So entsteht ein Bild, in dem technische Lösungen vorhanden sind, aber zwischen Planung, Verzögerung u. Umsetzung verharren. Am Ende entsteht ein System, das in der Krise spart, u. danach in den alten Zustand zurückfällt – ein Kreislauf aus Dürre, Einschränkung, Regen u. Vergessen. Die klimatischen Bedingungen im Süden Spaniens werden dabei nicht stabiler. Die letzten 15 Jahre zeigen keinen stabilen Verlauf, sondern einen Wechsel aus Dürreperioden u. kurzen Extremregen, die nur kurzfristig entlasten. Die aktuelle Entspannung ist deshalb kein Beweis für Stabilität, sondern nur eine Pause in einem bekannten Muster, das für die Zukunft eher auf Dürre als auf Regen ausgelegt ist. Am Ende bleibt eine einfache Frage offen: Wie lange kann ein System stabil bleiben, das nach jeder Krise so weiterläuft wie zuvor? Und die Antwort darauf ist vermutlich ebenso einfach wie unbequem: nicht sehr lange.
